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Louder than Bombs – herausragender Film!

Anne | 08. Juli 2018

„Es waren nicht die entscheidenen Momente, die ihm einfielen. Stattdessen reisten seine Gedanken an die äußersten Grenzen seiner Erinnerung. Kleine Vorfälle, die längst vergessen schienen.“

Am Telefon erzählt Conrad seinem Vater, dass er mit seinen Kumpels unterwegs ist. Doch in Wahrheit sitzt der 15-Jährige allein auf der Schaukel eines leeren Spielplatzes. Er ist in sich gekehrt und einsam. Vielleicht denkt Conrad an Melanie, in die er heimlich verliebt ist. Oder daran, wie ihn seine Mutter mal in einem grünen Wollpullover umarmte und er nach ihrem Tod eine andere Frau mit diesem Pullover gesehen hat.

Versuchen, irgendwie weiterzuleben

Drei Jahre ist es her, dass Isabelle Reed bei einem Autounfall tragisch ums Leben kam. Zuvor reiste die berühmte Kriegsfotografin jahrelang in die gefährlichsten Krisengebieten der Welt – und doch stirbt sie am Ende in einem vermeintlich sicheren Vorort New Yorks, in dem sie mit ihrem Mann Gene und zwei Söhnen lebt. Seit ihrem Tod versuchen die drei irgendwie weiterzumachen, mit dem Verlust klarzukommen.

„Was waren ihren letzten Gedanken? Vielleicht dachte sie an Orte, an unser Haus, an den Flur, unser Wohnzimmer. Vielleicht dachte sie auch an ihn. Es war gut möglich. An irgendeine Kleinigkeit. An etwas, dass er selbst längst vergessen hatte.“

Am wenigsten begreift Conrad, was passiert ist. Er ist erst 12 Jahre alt, als es geschah. Während Gene versucht, gleichzeitig Vater und Mutter für seine Söhne zu sein. Doch trotz seiner Fürsorge ist jeder allein mit seiner Trauer. Der ältere Bruder Jonah wohnt mittlerweile in New York und unterrichtet an einer University. Aufgrund einer geplanten Retrospektive mit Isabells Fotografien, bittet ihn sein Vater nach Hause, um das Bildarchiv durchzuschauen. Außerdem möchte er mit Jonah darüber sprechen, endlich auch Conrad von den wahren Begebenheiten hinter Isabells Tod zu erzählen. Doch was ist überhaupt die Wahrheit?

Traumsequenzen und Erinnerungen an Isabell

Regisseur Joachim Trier bricht die lineare Geschichte immer wieder mit den verschiedenen Realitäten der drei auf. Die Trauer steht wie ein leerer Raum zwischen ihnen und wird gefüllt von Traumsequenzen und Erinnerungen an Isabell, die sich wie ein Mosaik zusammensetzen. Es entsteht das Bild einer warmherzigen Frau, die doch immer distanziert und mysteriös bleibt. Als Kriegsfotografin war sie sowohl selbstlos als auch egoistisch. Getrieben von ihrer Arbeit ließ sie die Familie allein, kam geschunden und depressiv von ihren Reisen zurück.

Bildgewaltig und poetisch

Leise und existenziell zeigt der Film viele wahre Momente von Menschlichkeit und Zwischenmenschlichkeit. In all dem Drama ist Louder than Bombs doch zutiefst optimistisch, denn er erinnert daran, dass das Leben kurz und wertvoll ist – und dass es an uns liegt, was wir damit machen.

 „Fragmente, die auftauchten, in den letzten Sekunden, die zu Minuten wurden. Die Zeit stand still.“

Besonders beeindruckend ist einerseits Triers gewaltige Bildsprache, die Elemente von Musikvideos, Hochglanzwerbefilmen und Videokunst vereint. Zum anderen die Poesie der Worte, die vor allem der junge Conrad findet, um seine Welt zu beschreiben. In einer Szene stellt er sich vor, wie seine Mutter ums Leben kam, was sie in ihrem letzten Moment gedacht hat und ob sie sich vielleicht sogar an ihn erinnerte. Dazu sehen wir in Zeitlupe das Geschehen, jedoch ganz ohne Blut, sondern ruhig und fast schon selig.

Louder than bombs – sehr bewegend

Schon mit seinem Filmen Auf Anfang und  Oslo, 31. August, die wir beide ebenfalls auf Mediasteak empfohlen haben, erntete Joachim Trier weltweit lobende Kritiken. Mit Louder than Bombs knüpft er an diese Erfolge an. Selbst Jesse Eisenberg (Jonah), der wie immer nur die eine Rolle spielt – nämlich sich selbst, kann die Großartigkeit des Film nicht schmälern.

Ein leiser, poetischer, unfassbar bewegender Film – und unsere absolute Empfehlung!

                 

Bild:© SF Norge A/S

 

Verfügbar bis: 11. Juli 2018
Kategorien: Film & Serie