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Stereo – ab 22 Uhr verfügbar

Andy | 30. November 2018

Deutsche Filme sind doof! Ja, zugegeben, der deutsche Filmmarkt macht es dem ambitionierten Filmschauenden nicht besonders einfach. Wenn einem ein sepiafarbener Pausbacken-Schweighöfer in Dauerschleife Banalitäten auftischt, vergeht wirklich schnell die Lust. Doch es ist ja nie alles nur schlecht und abseits des Mainstreams finden sich auch in den letzten Jahren so einige deutsche Leinwand-Juwelen, bei denen es sich lohnt, auf Play zu drücken.

Stereo feierte auf der Berlinale 2014 Premiere

Ein gutes Beispiel ist der Psychothriller Stereo, der 2014 nach der Uraufführung auf der Berlinale über so einige internationale Festivalleinwände geflimmert ist. Der junge Regisseur Maximilian Erlenwein versammelt in seinem zweiten Spielfilm mit Jürgen Vogel und Moritz Bleibtreu die A-Riege der deutschen Qualitätsschauspieler. Trotz Produktion durch das ZDF, ist der Film weit entfernt von gewohnter deutscher Fernseh-Ästhetik. Ein elektrisierter Soundtrack mischt sich mit grellen Neonfarben, endlosen Landschaften und grauen Betonblocks, irgendwo im deutschen Nirgendwo; zwischen Köln und Sachsen-Anhalt.

In diesem ländlichen Niemandsland führt Erik (Jürgen Vogel) eine Motorrad-Werkstatt; mit seiner neuen Freundin Julia (Petra Schmidt-Schaller) und ihrer Tochter lebt er brave Familienidylle. Doch natürlich ist da was faul – was treibt den Biker mit zerrissenen Jeans und schiefen Zähnen in die Provinz? Jürgen Vogel mimt sicher keinen zahmen Kleinstadt-Mann! Und so dauert es nicht lange, bis Erik heimgesucht wird von einem mysteriösen Unbekannten (Moritz Bleibtreu). Langsam beginnt ein unheimliches Verwirrspiel. Man fragt sich: Wer ist wer? Wer ist gut? Wer ist böse und was zur Hölle passiert hier eigentlich?

Packender Thriller mit starken Charakteren und außergewöhnlichem Sound

Dabei bedient sich der Regisseur so einiger Genre-Klischees: Von Mafiaverstrickungen, Besuchen im Irrenhaus, über russische Kräuterheilerinnen und verstörende Traumsequenzen lässt Stereo nichts aus der „How-to-do-a-Psychothriller“-Kiste unbenutzt. Doch das Konzept geht auf. Denn starke Charaktere, starkes Schauspiel und eine ambitionierte Regie machen den Film zu einem unheimlichen Strudel. Gelungene Thriller stammen meist (leider) aus den USA. Da sind Gangsterbosse und andere zwielichtige Gestalten, die einem ihre morbiden Dialoge auf Deutsch entgegen rotzen, eine willkommene Abwechslung von glattgebügelten Synchronisationen!

Bild: © ZDF/Stephan Rabold

Verfügbar bis: 05. Dezember 2018
Kategorien: Film & Serie