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Zeit der Kannibalen – bitterböse Kapitalismus-Satire

Paul | 23. August 2020

Irgendwo, hinter den dicken Hotelfenstern des 79. Stocks, geht im Großstadtdunst über grauen Gebäudekästen die Sonne auf. Im rot gepunkteten Tour de France-Trikot strampelt Niederländer (Sebastian Blomberg) auf seinem Heimtrainer. Sein Kollege Öllers (Devid Striesow) streitet derweil mit seiner Frau am Telefon. Dann gehen die beiden zum Meeting mit einem indischen Partner. Sie werden ihm erklären, dass 120 Millionen Euro aus Indien abgezogen werden. Denn Pakistan verspricht mehr Profite. Es ist die Zeit der Kannibalen.

Zeit des globalen Kapitalismus – Zeit der Kannibalen

Zum Team gehört eigentlich auch Hellinger, doch der wurde jetzt zum Partner erklärt. Ihn ersetzt Bianca März (Katharina Schüttler), ebenfalls Unternehmensberaterin, die aber noch nicht ganz so zynisch und abgestumpft scheint. Als herauskommt, dass März die beiden Männer bewerten soll, steht bald alles auf dem Kopf. Zum Beispiel versteht Öllers nicht, was daran falsch sein soll, wenn er weibliche Hotelangestellte für Sex bezahlt.

Unternehmensberater filetieren sich selbst

Nur auf die immer gleichen Räume einer internationalen Hotelkette reduziert, verdeutlichen die Schauplätze in Zeit der Kannibalen die Austauschbarkeit der Entwicklungsländer für die Protagonisten. Das selbstentlarvende Weltbild ohne Werte und Ideale wird anhand rasiermesserscharfer Dialoge offenbart. Daneben pointiert der Soundtrack mit einem bedrohlichen Crescendo die zynische Schneidigkeit Niederländers und Öllers, und entblößt dabei den ökonomischen Kannibalismus, den sie betreiben.

Bild: ©Farbfilm-Verleih

Verfügbar bis: 16. September 2020
Kategorien: Film & Serie