Wie Social Media die Esskultur verändert

Mediasteak | 02. Juni 2020

Ihr wisst ganz genau, was eure Freunde heute gegessen haben – obwohl ihr euch seit Monaten nicht persönlich getroffen habt? Dann habt ihr gewiss einen Blick in den Feed eures Accounts auf Instagram, Facebook & Co geworfen. Social Media ist nämlich mittlerweile nicht mehr nur Kontaktmöglichkeit und Lifestyle-Trend, sondern immer mehr prägen die sozialen Netzwerke auch die Esskultur. Plötzlich ist es nicht mehr ungewöhnlich, vor dem ersten Bissen im Restaurant ein Bild vom Essen zu schießen und der digitalen Welt zu offenbaren oder sich durch Influencer bei der täglichen Rezeptwahl beeinflussen zu lassen. Der Bezug zum Essen pervertiert zunehmend, wettern so manche Kritiker. Diese neue Welt der digitalen Food-Branche eröffnet ganz neue Möglichkeiten, erfreuen sich hingegen die Social-Media-Fans. Unbestritten handelt es sich um eine Entwicklung, die sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich bringt – vor allem aber um eine, die sich ohnehin nicht mehr stoppen lässt. Wie so oft im Leben, lautet daher die Devise: Einfach das Beste daraus machen!

Esskultur zwischen Traditionen und der digitalen Welt

Dass sich die Esskultur in einem stetigen Wandel befindet, ist keine überraschende Neuigkeit. Schon seit jeher hat sich regelmäßig verändert, was und wie die Menschheit gegessen hat. Kulturelle Unterschiede sind dabei ganz natürlich und resultieren allein schon aus der Tatsache, dass nicht überall dieselben Lebensmittel angebaut werden können. Bis vor wenigen Jahrzehnten war es schließlich nicht so einfach möglich, Gemüse über Weltmeere zu transportieren oder Fische in einem Becken heranzuzüchten. Schon diesbezüglich ließ sich also seit längerer Zeit ein grundlegender Wandel der Esskultur in der westlichen Welt beobachten. Doch wenn ihr das Gefühl habt, dass spätestens seit dem Hype um Social Media plötzlich viele, vor allem junge, Leute „anders“ essen, habt ihr euch trotzdem nicht getäuscht. Denn Instagram, Snapchat, TikTok, Facebook und all die anderen Plattformen, Blogs & Co, welche zunehmend zum digitalen Lebensmittelpunkt der jüngeren Generationen werden, haben durchaus einen Umbruch nach sich gezogen, wenn es um die Food-Branche geht. 

Influencer und das Essen – ein zweischneidiges Schwert

Es sind aber längst nicht nur private Nutzer, welche in ihren Accounts akribisch dokumentieren, was sie über den Tag hinweg essen. Stattdessen handelt es sich um einen Trend, der von den sogenannten Influencern losgetreten wurde. Was begonnen hat als hübsches Foto, um den eigenen Feed aufzupeppen, ist für einige von ihnen mittlerweile zu einem profitablen Business herangewachsen. Sie posten also nicht mehr willkürliche Bilder von Essen, das sie im Restaurant verspeist oder nur bestellt haben, um es zu fotografieren. Stattdessen machen sie dadurch gezielte Werbung. Für wen? Es sind vor allem Marken, welche spezielle Lebensmittel wie Protein-Riegel für Sportler herstellen, die von diesem Trend profitieren. Aber es werden auch Rezepte beworben, Magazine rund um die Food-Branche, Nahrungsergänzungsmittel, Diät-Programme und vieles mehr. Ja, es hat sich eine ganz eigene Werbeindustrie gebildet, wenn es um Influencer und das Essen geht – und diese verändert zunehmend auch die Esskultur. Allerdings ist diese Veränderung nicht immer positiv…

Gefahren für das Essverhalten durch Social Media

Ein Geheimnis ist es eigentlich nicht, dass der Feed eines Influencer nicht der Realität entspricht, sondern bestenfalls einen beschönigten Ausschnitt seines beziehungsweise ihres Lebens darstellt. Häufig wird sogar gezielt getrickst und geschummelt, um das scheinbar perfekte Leben vorzugaukeln. Dazu zählt auch die Präsentation eines unrealistischen Essverhaltens. Einige Influencer mit Traumfigur posten regelmäßig Bilder von ungesunden und riesigen Mahlzeiten, die den Followern suggerieren: Ihr könnt essen, was ihr wollt, ohne dass eure Gesundheit darunter leidet oder ihr an Gewicht zunehmt. Schlimmer noch ist aber das umgekehrte Beispiel: Influencer mit scheinbarem Traumbody verleiten vor allem Frauen, aber auch Männer zu unrealistischen Körperidealen. Dass dabei aber mehr Bildbearbeitung im Spiel ist als Realität, ist den meisten ihrer Fans zwar durchaus bewusst, dennoch setzen sie bei sich selbst dieselben Maßstäbe an. Eine Zunahme der Essstörungen wie Magersucht wird dadurch getriggert. Zudem lassen sich die Follower durch ihre Vorbilder auch zu ungesunden Essgewohnheiten oder extremen Diäten verleiten – häufig, ohne diese zu hinterfragen. Dass die Esskultur immer mehr durch soziale Medien geprägt wird, birgt also durchaus gewisse Gefahren. 

Influencer-Marketing in der Food-Branche: sinnvoll oder nicht?

Das Influencer-Marketing ist somit sowohl für die Werbetreibenden als auch die Influencer selbst mit Vorsicht zu genießen. Sie tragen schließlich eine hohe Verantwortung, wenn es darum geht, bei der Zielgruppe ein gesundes Essverhalten zu propagieren. Jedes Posting, das direkt oder indirekt mit der Food-Branche zusammenhängt, sollte daher kritisch hinterfragt werden. Denn wo Influencer wahllos Produkte bewerben, um dadurch Geld zu verdienen, riskieren sie nicht nur Nachahmer, deren Gesundheit unter falschen Vorbildern leidet, sondern auch einen ernsthaften Image-Schaden. Es sollte daher auch im Interesse der Influencer sein, die Esskultur im Positiven zu verändern und nicht im Negativen. Dann ergeben sich für werbetreibende Unternehmen zahlreiche Chancen hinsichtlich des Marketings. Das Influencer-Marketing spielt nämlich längst nicht nur in der Food-Branche mittlerweile eine wichtige Rolle, sondern hat das Marketing grundlegend verändert. Es stellt somit eine hervorragende Möglichkeit für die Food-Branche dar, um den Marketing-Mix zu erweitern und dabei nicht nur die klassischen, sondern auch die neuen „P’s“ zu bedienen. Allerdings will ein solches Konzept eben ganzheitlich gedacht sein und nicht nur in Form einer semi-professionellen Food-Fotografie oder willkürlicher Postings eines Influencers stattfinden. 

Aber die Medaille hat auch eine glänzende Seite

Als Zwischenfazit lässt sich somit festhalten, dass der Einfluss von Social Media auf die Esskultur in der westlichen Welt nicht immer positiv ist. Dennoch haben die sozialen Netzwerke dafür gesorgt, dass das Bewusstsein um die Thematik wächst und somit immer mehr, erneut vor allem junge, Menschen ihre Essgewohnheiten hinterfragen. Zwar gibt es dabei Zielgruppen, die ihre Vorbilder imitieren, ohne deren Postings, Empfehlungen & Co zu hinterfragen. Doch es gibt auch viele Nutzer von Instagram oder anderen sozialen Plattformen, die sich durchaus ein gewisses Knowhow aneignen. Sie wählen also gezielt aus, welchem Food-Blogger sie folgen, welche Diät sie ausprobieren oder welches Rezept auf den heimischen Speiseplan kommt. Ein Stück weit hat der Hype um Social Media also die Ernährung in den Fokus gerückt und somit dafür gesorgt, dass in der Esskultur beispielsweise mehr Wert auf Nachhaltigkeit sowie Gesundheit gelegt wird. 

Social Media nutzen, aber „richtig“!

So sollte daher die Devise lauten, wenn es um soziale Netzwerke und Food-Themen geht. Das gilt sowohl für die werbetreibenden Unternehmen als auch die Influencer und schlussendlich deren Follower. Denn wer „richtig“ an die Sache herangeht, der kann von den aktuellen Veränderungen der Esskultur nur profitieren. Schließlich bieten soziale Netzwerke viel mehr Möglichkeiten, um Wissen zu erwerben, nach Rezepten zu suchen oder sich mit Gleichgesinnten auszutauschen, als das noch vor wenigen Jahren denkbar war. Hier können die Nutzer Inspiration finden, wenn es um den täglichen Speiseplan geht, oder auch Motivation für eine Diät. Selbst gegen die Einsamkeit kann Social Media mittlerweile helfen, denn wer sein Essen mit Followern, Freunden & Co teilt, hat plötzlich nicht mehr das Gefühl, alleine zu essen. Im Extremfall wird währenddessen sogar ein Live-Video gestartet. Ob das eine pervertierte Ausdrucksform der neuen Esskultur ist oder eine echte Chance auf Verbesserung, muss letztendlich wohl jeder selbst entscheiden. 

Fazit: Esskultur braucht Vorbilder

Fakt ist aber, dass sich die Essgewohnheiten der Nutzer durch die sozialen Netzwerke grundlegend verändert haben und weiterhin verändern werden. Und wie so oft im Leben, hat diese Medaille eben zwei Seiten. Wenn ihr also das nächste Mal euer Smartphone zückt, um das Essen auf dem Tisch zu fotografieren und in eurem Feed zu teilen, überlegt zumindest, ob ihr damit die „richtige“ Botschaft sendet – auch, wenn ihr selbst nur ein Privatnutzer und kein professioneller Influencer seid, aber vor allem natürlich in letzterem Fall. Zudem gilt es, auch die Botschaften eurer liebsten (Food-) Blogger kritischer zu hinterfragen und euch grundlegend zu informieren, wenn es um eine gesunde Ernährung, Diäten & Co geht, anstatt eben blindlings jedem selbsternannten Influencer zu vertrauen. Denn mit den richtigen Vorbildern kann diese Entwicklung durchaus einen positiven Einfluss auf die Esskultur bringen!

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