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Veganismus – wie gesund ist der Verzicht auf Tierprodukte?

Gastbeitrag | 27. August 2019

Laut dem ProVeg Deutschland e.V. gibt es aktuell etwa acht Millionen Vegetarier und 1,3 Millionen Veganer in Deutschland. Damit entspricht der Veganer-Anteil an der Bevölkerung 1,6 Prozent. Das ist ein deutlicher Zuwachs in den letzten Jahren. Doch wie gesund ist es eigentlich, komplett auf tierische Produkte zu verzichten?

In diesem Artikel geben wir dir Infos und zeigen Videos zu Veganismus.

Die Besonderheiten der veganen Lebensweise

Wer sich dafür entscheidet, vegan zu leben, verzichtet komplet auf tierische Nahrungsmittel. Das ist gar nicht so leicht, wie es vielleicht klingt. Denn während ein Vegetarier einfach nur auf Fleisch- und Fischprodukte verzichtet, meiden Veganer deutlich mehr Lebensmittel. Auch Milchprodukte, Honig, Eier oder teilweise sogar nicht direkt offensichtliche Tierprodukte wie Wein möchten die meisten Veganer nicht konsumieren. Denn sie setzen sich dafür ein, dass kein Tier durch ihre Ernährungsweise zu Schaden kommen kann.

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Diese Absicht führt in der Praxis dazu, dass Veganer stets genau wissen, was sich in ihren Nahrungsmitteln versteckt. Das ist grundsätzlich vorbildlich und längst nicht mehr selbstverständlich. Am einfachsten ist es, selbst zu kochen oder ein veganes Restaurant zu besuchen. Diese gibt es vor allem in Großstädten zunehmend. Aber auch in einem ganz normalen Restaurant finden sich oft vegane Mahlzeiten. Zumal es dort mittlerweile meist schon pflanzliche Alternativen gibt. 

Hochwertige, vegane Proteinquellen

Durch den Verzicht auf tierische Nahrungsmittel müssen Veganer besonders darauf achten, die nötigen Nährstoffe und Vitamine, die der Körper braucht, zu bekommen. Als zuverlässige und hochwertige Proteinquellen gelten Pflanzen wie Soja, Bohnen, Kichererbsen, Linsen und weitere Hülsenfrüchte, aber auch Gemüse und Getreide haben oft von Natur aus, einen unerwartet hohen Proteingehalt. Auch wenn der Verzehr von Soja regelmäßig diskutiert wird, gibt es bei einem moderaten Verzehr keine Bedenken, sofern natürlich keine Allergie/Unverträglichkeit besteht. Die wichtigsten Vitamine kommen ebenfalls aus Obst und Gemüse, wobei es eine große Schwierigkeit darstellt, ausreichend Vitamin B12 aus Pflanzen zu konsumieren. Hier muss gegebenenfalls ergänzt werden. 

Vorteile einer rein pflanzlichen Ernährung

Die Wissenschaft ist sich noch uneinig darüber, wie gesund die streng-vegane Ernährung wirklich ist. Es fehlen aussagekräftige Langzeitstudien. Aber schon jetzt lässt sich sagen, dass Veganer sich tendenziell leichter und fitter fühlen. Sie nehmen meistens automatisch ein wenig ab und regulieren ihre Blutzuckerwerte. Ihre gesunde Ernährung führt in den meisten Fällen von allein zu einem deutlich gesünderen Lebensstil. Da Veganer sich darüber hinaus mit Nährwerten beschäftigen und an einem rundum gesunden Körper interessiert sind, treiben sie meistens Sport und achten darauf, gut mit ihrem Körper umzugehen.

Vegane Ernährung – gut fürs Klima

Ein weiterer Grund für manche Menschen, sich vegetarisch oder vegan zu ernähren, besteht darin, etwas Gutes für das Klima zu tun. Denn pflanzliche Produkte haben in der Herstellung einen deutlich geringeren CO2-Austoß als Tierprodukte. Für die Produktion von Fleisch werden unzählige Ressourcen, viel Platz, viel Wasser und noch dazu weite Transportwege in Kauf genommen. Genetische Mutationen oder Schäden durch im Fleisch enthaltene Medikamente wie Antibiotika sind nicht nur für die eigene Gesundheit, sondern auch für die Umwelt schlecht. Grundlegend gibt es zwei sehr effiziente Wege für Privatpersonen, einen Beitrag gegen die Klimaerwärmung zu leisten: Auf Flugreisen zu verzichten und sich vegan oder zumindest vegetarisch zu ernähren.

Die Kombination aus reinem Gewissen und verbesserter Gesundheit trägt für Veganer daher zu einem rundum guten Lebensgefühl bei. Damit gehen jedoch auch Schwierigkeiten einher. Einerseits ausreichend Nährstoffe zu sich zu nehmen. Zum Beispiel aber auch: die eigene Familie von der neuen Ernährungsweise zu überzeugen. Doch das nehmen viele Veganer gern in Kauf.

Nachteile einer rein pflanzlichen Ernährung

Der größte Nachteil einer veganen Ernährung besteht wohl darin, dass es aufwendig sein kann, alle nötigen Nährstoffe aufzunehmen. 

Allerdings kommen verschiedene Mängel an Nährstoffen auch häufig bei Nicht-Veganern vor. Weshalb diese eher ein Nachteil einer zu einseitigen, nicht ausgewogenen Ernährungsweise ist. Folgende Werte sollten grundsätzlich bei einer Umstellung der Ernährung im Auge behalten und bei Mangelerscheinungen überprüft werden:

  • Eiweiß
  • Eisen
  • Calcium
  • Jod
  • Zink
  • Riboflavin
  • Vitamin B12
  • Vitamin D

Das heißt, dass Veganer im Zweifelsfall Nahrungsergänzungsmittel einnehmen oder die Nahrungsmengen und Zusammensetzungen anpassen müssen. Außerdem ist es sehr wichtig, regelmäßig die Blutwerte beim Arzt testen zu lassen, um sicherzugehen, dass kein ernsthaftes Defizit besteht.

Nährstoffbedarf im Blick behalten

Durch eine gezielte Ernährung ist es möglich, die meisten Nährstoffe durch Lebensmittel aufzunehmen, auch bei einer rein pflanzlichen Ernährung. Hat man einmal den richtigen Weg gefunden, ist es reine Gewohnheitssache. Dadurch, dass sich Veganer sowieso mit den Inhaltsstoffen und der Zusammensetzung ihrer Lebensmittel beschäftigen, wissen, was sie benötigen und was wo enthalten ist. Daher ist es im Endeffekt oft wahrscheinlicher, dass Veganer ihren Nährstoffbedarf genau im Blick haben. Somit decken sie diesen ausgewogener ab als Nicht-Veganer. 

Schwangere, Stillende und Kinder sowie Jugendliche, die sich noch im Wachstum befinden, sind von einem eventuellen Defizit besonders betroffen. Es ist zwar möglich, auch in diesen Lebensphasen vegan zu leben, jedoch sollte die Gesundheit immer im Vordergrund stehen. Veganer sollten gesund sein und gute Blutwerte aufweisen, bevor sie sich für diese Ernährung entscheiden. Wenn sie verantwortungsvoll damit umgehen, ist es möglich, gesund vegan zu leben. Mögliche Risiken sollte man jedoch stets im Hinterkopf behalten und vermeiden und gegebenenfalls mit einem Arzt besprechen.

Sozialer Aspekt: Essen mit Nicht-Veganern

Ein weiterer Nachteil an der veganen Ernährung ist nicht so leicht in Zahlen zu fassen, aber die Erfahrung zeigt, dass dies eine große Herausforderung ist: der soziale Aspekt des Essens. Denn obwohl wir in Deutschland nicht so viel Wert auf das gemeinsame Essen legen wie es in anderen Ländern der Fall ist, gibt es doch unzählige Situationen, in denen wir gemeinsam mit Freunden, Familie oder Kollegen eine Mahlzeit genießen möchten. Viele Personen sind irritiert, wenn ein Veganer nicht mitessen kann oder eine Alternative im Restaurant bestellt.

Noch empfindlicher ist das Thema, wenn die eigene Großmutter oder Freundin etwas kocht, das sich dann aber als nicht-vegan herausstellt. Dann ist die Enttäuschung oft groß und es gibt Klärungsbedarf. Hat das eigene Umfeld das aber einmal nachvollziehbar erklärt bekommen, ist auch dieser Nachteil reine Gewohnheitssache. Wichtig ist der gegenseitige Respekt der persönlichen Vorlieben und Einstellungen.

Hinweise für Veganer und solche, die es werden wollen

Wer Interesse daran hat, sich vegan zu ernähren, sollte sich zunächst einmal ausführlich damit beschäftigen, wie er die nötigen Nährstoffe zu sich nehmen kann. Online gibt es inzwischen eine riesige Auswahl an Rezepten, Blogs und YouTube-Kanälen, sodass die Vielfalt kein Problem ist. In Städten wie Berlin und Hamburg können Veganer außerdem leicht in eine „Szene“ eintauchen und in einer großen Auswahl an Cafés und Restaurants essen gehen. Sogar vegane Supermärkte und vegane Kleidermarken sind inzwischen vielerorts vorhanden. Mittlerweile findet man aber auch in so gut wie jedem herkömmlichen Supermarkt und Discounter ausreichend Angebote. Aber es sind eh viele Lebensmittel, insbesondere Gemüse, von Natur aus vegan. 

Wer leckere vegane Kuchen backen kann, hat damit außerdem eine Möglichkeit, Freunde und Familie ein wenig in das Thema einzuweihen. Vielleicht ist dies die Gelegenheit, endlich einmal für die Oma zu kochen, um ihr zu zeigen, dass der Ernährungswandel gar nichts negatives ist? Veganer sollten offen, tolerant und so flexibel wie möglich mit ihrer persönlichen Ernährungsentscheidung umgehen. Ein Lächeln oder ein gemeinsamer Kochabend können viele Vorurteile abbauen und dafür sorgen, dass man als Veganer nicht gleich in eine intolerante Schublade gesteckt wird. Außerdem ergeben sich viele neue Freundschaften mit anderen Veganern in der gleichen Situation!

Autor: Paul Friedmann

Bild: Pixabay, Videos zu Veganismus

Kategorien: Essen & Genuss