< Zwei Damen steigen in das Taxi zu, die - einem alten Ritual folgend einen Goldfisch an einer heiligen Quelle aussetzen wollen. Taxi Teheran Film

Taxi Teheran – ein wunderbarer Bick in den Iran

Anne | 15. Februar 2018

Zwanzig Jahre Berufsverbot lautet das Urteil für den iranischen Regisseur Jafar Panahi. Während seine Filme weltweit gefeiert werden, wollen die Mächtigen des Mullah-Regimes sie ganz sicher nicht auf der Leinwand sehen. Doch es gibt viele Verbote im Iran – und viele davon werden gebrochen. Zum Beispiel illegale Filme schauen. Für diesen Spaß kommen die  Schwarzhändler mit den gewünschten DVDs als Lieferservice zum Kunden nach Hause. In Berlin kommt das Koks vom Dealer, in Teheran die Filme (zum Beispiel so hochgefährlicher Stuff wie eine Woody-Allen-Komödie).  Genau das erfahren wir in Panahis großartigem Film Taxi Teheran, welcher eigentlich nie hätte gedreht werden dürfen.

Goldfische, Rituale und ein Testament

Für diesen hat sich der Regisseur ein Taxi besorgt, eine Schiebermütze aufgesetzt und eine kleine Action-Kamera am Armaturenbrett montiert. Sie filmt die Fahrgäste und ihre ganz speziellen Geschichten. Daraus entsteht ein sehr diverses Bild der aktuellen iranischen Gesellschaft. Hier im Taxi erfahren wir von einer Frau, die wegen eines Volleyballspiels in Untersuchungshaft sitzt. Zwei ältere Damen transportieren einen Goldfisch für Rituale, eine Studentin fordert mehr Freiheit in ihrer Kunst und ein am Kopf verletzter Mann, den das Taxi zum Krankenhaus bringt, diktiert seiner Frau vorsichtshalber schon mal sein Testament.

Taxi Teheran, gedreht trotz Berufsverbot

So schafft es Panahi erneut einen Film zu drehen – und das mittlerweile zum dritten Mal seit dem offiziellen Berufsverbot (weitere Filme sind Pardé und This Is Not A Film). Obendrein noch einen, der voll ist mit Kritik am Regime. Aber das im Stile eines Dokumentarfilms präsentierte Werk ist, wie man schnell merkt, natürlich nicht zufällig entstanden und die Gäste im Taxi sind Schauspieler, die nach einem Drehbuch einsteigen. 

Taxi Teheran ist eine sehr spannende, mit viel Witz erzählte Fahrt durch die Gesellschaft des Irans. Trotz aller Widersprüche, Verbote und Unterdrückung spürt man Panahis große Liebe zu seinem Heimatland und das ist es wohl, was diesen Film besonders schön macht.

Weitere Einblicke in den Iran von heute seht ihr in der tollen Webserie “Iran #NoFilter” auf Mediasteak.

Bild: © Jafar Panahi

Verfügbar bis: 20. Februar 2018
Kategorien: Film & Serie