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Helmut Berger, meine Mutter und ich

Anne | 14. Juni 2019

Einst war er “der schönste Mann der Welt” – ein gefeierter Schauspieler, der mit der High Society in ganz Europa rumhing. Er spielte an der Seite von Elizabeth Taylor und Henry Fonda, und wurde von Künstlern wie Helmut Newton und Andy Warhol fotografiert. Seine Darstellung bisexueller, narzisstischer Figuren machten Berger bekannt und brachten ihn große Anerkennung. So erhielt er für seine Rolle in Die Verdammten (1969) eine Golden Globe-Nominierung.

Den Film drehte sein Liebhaber und künstlerischer Förderer, der berühmte Regisseur Lucino Visconti. Doch nach dessen Tod im Jahr 1976 stürzte Berger in eine tiefe Krise, ein Selbstmordversuch und viele Drogen- und Alkoholexzesse folgten. Fortan stand Helmut Berger mehr für Skandale in der Klatschzeitung als auf roten Teppichen der großen Filmevents. Bis hin zur Endstation “Dschungelcamp” im Jahr 2013. (Auch wir haben schon über einen sehr unterhaltsamen Totalausfall von Helmut Berger geschrieben, den er selbst in seiner Autobiografie beschreibt.)

Filmfan ermöglicht ihm Lebenswandel

Als die einstige Bewunderin des Schauspielers Bettina Vorndamme sieht, was aus ihm geworden ist, hat sie eine Idee. Die Hannoveranerin nimmt den alten Berger in ihrem Dorfhaus auf, hält ihn vom Alkohol fern und kümmert sich um seine Genesung. Dass er sich darauf einlässt, zeigt wie einsam und verzweifelt er ist. Auch wenn Berger bei Zeiten immer noch eine kapriziöse, dekadente Diva ist (“… und dann hat er sich noch auf ihre Rechnung eine Flasche Champagner bestellt!“), öffnet er sich hier nach und nach. Er macht eine Psychotherapie und zeigt sich dankbar für die Wendung in seinem Leben, die er Bettina zu verdanken hat. Das alles wird festgehalten von Bettinas Tochter, der Filmemacherin Valesca Peters.

Helmut Berger, meine Mutter und ich

Vor der Kamera erzählt er von seiner Kindheit und Jugend in Östereich, seiner großen Liebe Visconti und seinem Leben auf der italienischen Insel Ischia. Während der Dreharbeiten bekommt er dann sogar noch ein Engagement an der Freien Volksbühne in Berlin. Seine Rolle: ein französischer Baron zur Zeit von Ludwig XIV – und es gehen noch einmal “all lights on him”, wie er selbst kommentiert.

Valesca Peters hat mit Helmut Berger, meine Mutter und ich einen wunderbaren Dokumentarfilm geschaffen. Sie legt den Prozess des Filmens, Inszenierens und Interview-Führens offen. Ebenso wie private Gespräche am Telefon und Handlungen hinter der Kamera. Hierdurch entsteht ein sehr intimer Einblick in die Bemühungen einer Wandlung. Kritisch und offen betrachtet sie das Zusammenspiel zwischen ihrer Mutter, Helmut Berger und sich selbst als Dokumentarfilmerin. Besonders eindrucksvoll und poetisch sind die Szenen, in denen Berger seine geschriebenen Worte vorträgt und wir erleben, wie traurig und zerbrochen die einstige Kult- und Kunstfigur Helmut Berger am Ende seines Lebens ist.

Absolut sehenswert!

Bild: ARD

Verfügbar bis: 22. Juni 2019
Kategorien: Gesellschaft, Kultur

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