Fair Food – Lebensmittel ohne Ausbeutung
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Fair Food – Lebensmittel ohne Ausbeutung

Mediasteak | 13. Juni 2019

Bio, Nachhaltigkeit, Fair Trade, Fair Food – viele Begriffe, die immer wieder auftauchen, sei es auf Lebensmittelverpackungen oder in den Medien. Klar, jeder will gesunde Lebensmittel kaufen, und das setzt voraus, dass sie innerhalb der gesamten Nahrungs- und Lieferkette biologisch und nachhaltig sind. Was nützt es, wenn freilaufende Kühe das falsche Futter und Antibiotika bekommen? Oder wenn auf Orangenplantagen in Brasilien Pestizide zum Einsatz kommen und die Arbeiter unter gesundheitsgefährdenden Bedingungen für einen Hungerlohn schuften müssen?

Die Schweizer Initiative Fair Food setzt sich für das Wohl der Tiere, fairen und nachhaltigen Handel bei angemessenen Löhnen und die regionale Landwirtschaft mit kurzen Transportwegen ein. Sogar ein Gesetz war in der Diskussion, das in der Schweiz umwelt- und tierfreundliche Lebensmittel vorschreiben sollte. Dieses lehnten die Bürger aber bei einer Volksabstimmung ab. Die Mehrheit der Schweizer haben offenbar Angst, dass weniger Lebensmittel wie Mozzarella importiert würden, weil sich beispielsweise italienische Bauern nicht an Schweizer Vorschriften halten. Ist die Herstellung fairer Lebensmittel also gar nicht realistisch?

Fair Food – der Verbraucher ist gefordert

In den Regalen der Lebensmitteldiscounter liegen immer mehr Produkte mit „Bio“-Aufdruck, in Plastik verpackt und für viele nicht nachvollziehbar, ob hier tatsächlich alles Bio ist. Verbraucher, die auf Nummer sicher gehen wollen, kaufen im Bioladen oder direkt beim Bauern. Dafür zahlen sie gern deutlich mehr. Denn nachhaltige Lebensmittel, die auch noch regional erzeugt sind, haben oft auch eine bessere Qualität. Aber auch Orangen aus Spanien gibt es hierzulande fair im Handel, via Crowdfarming. Man adoptiert einen Orangenbaum und die Ernte kommt direkt nach Hause geliefert.
Der Verbraucher ist in vielen Fällen immer noch auf sich selbst gestellt, kann Produkten nicht blind vertrauen, die ein entsprechendes Siegel tragen und für Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein werben. 

Oft ist für den Verbraucher auch gar nicht transparent, welche Konzerne hinter welchen Produkten stecken, die möglicherweise mit anderen Produkten schon für Negativschlagzeilen gesorgt haben und beispielsweise den Einwohnern in afrikanischen Ländern regelrecht das Wasser abgraben. Sogar bei Lebensmitteln aus der Gemüseabteilung oder der Fleischtheke ist der Wasserverbrauch hoch. Der hohe Wasserverbrauch für die Produktion bestimmter Lebensmittel stellt in zunehmendem Maße auch in Europa ein Umweltproblem dar. 

Lebensmittel und Klimawandel

Auch die jüngsten Wahlergebnisse zeigen ein neues Bewusstsein für unsere Umwelt. Besonders junge Menschen beklagen den fortgeschrittenen Klimawandel. Die Schülerinitiative „Fridays for Future“ sorgt für Diskussionen, will die Politiker wachrütteln, die Klimaschutzziele sollen endlich in die Tat umgesetzt und eingehalten werden. In erster Linie steht dabei der Abbau fossiler Brennstoffe im Vordergrund, aber auch bei der Lebensmittelproduktion kann man viel für den Klimaschutz tun.  Dies erfordert jedoch ein Umdenken der Verbraucher. Weniger Fleischkonsum schont auch das Klima, denn allein die Herstellung von einem Kilo Rindfleisch sorgt für einen CO²-Ausstoß von 14 Kilogramm – im Gegensatz zu Ost oder Gemüse in gleicher Menge die zehnfache Belastung.

Lebensmittel ohne unnötige Verpackung

Auch lange Transportwege von Lebensmitteln schaden dem Klima. Heimische Produkte sorgen für weitaus weniger Treibhausgase als solche, die aus zehntausenden von Kilometern Entfernung erst eingeflogen werden müssen. Man bekommt dort saisonale Lebensmittel, die zwar nicht das ganze Jahr über verfügbar, dafür aber gesünder sind und besser schmecken – aus der Region für die Region. Der Biobauernhof erzeugt nicht nur Lebensmittel vor Ort, sondern verzichtet auch auf chemisch-synthetische Dünger und Pflanzenschutzmittel, was nicht nur der Umwelt, sondern auch der Qualität der Lebensmittel zu Gute kommt. 

Die Lebensmittel beim örtlichen Bauern oder im Bioladen sind auch nicht unnötig verpackt. Das bedeutet weniger Müll in der eigenen Tonne, was sogar die Müllgebühren senken kann. Selbst in Supermärkten gehen die Händler dazu über, frische Ware wie Obst und Gemüse weniger zu verpacken und Fleischwaren direkt in eigens mitgebrachte Behälter zu füllen. Alles in allem gibt es jede Menge Möglichkeiten, Lebensmittel klimaneutral einzukaufen.

Weniger Fleisch, gut fürs Klima

Durch den Klimawandel könnten Lebensmittel in Zukunft auch knapper werden. Dadurch, dass die globale Durchschnittstemperatur stetig steigt, drohen weniger Regenfälle, was verheerende Folgen für die Landwirtschaft hätte. Die Ernte würde in einigen Ländern durch häufige Dürre geringer ausfallen. Das hätte auch Auswirkungen auf die Erzeugung von Tiernahrung, die hauptsächlich aus pflanzlicher Agrarproduktion stammt. Weniger Fleisch essen ist also allein schon deshalb sinnvoll.


Wie schnell die Erderwärmung voranschreitet, ist zwar unter Wissenschaftlern umstritten, Tatsache ist jedoch, dass sich unser Planet immer mehr aufheizt, was der Mensch zu verantworten hat. Auf der UN-Klimakonferenz in Paris 2015 haben sich die Industrie- und Schwellenländer auf eine maximale Erderwärmung von 1,5 bis 2 Grad Celsius geeinigt. 

Alle müssen an einem Strang ziehen

Das Pariser Klimaabkommen gilt bislang als Durchbruch in Sachen Klimaschutz. Dabei hat bereits in den 1970er Jahren eine Studie des Think Tank Club of Rome die Diskussion um eine saubere Umwelt und ein nachhaltiges Klima in Gang gesetzt. Der erste Klimagipfel fand dann 1995 in Berlin statt, mit der damaligen Umweltministerin Angela Merkel als Konferenzpräsidentin. Zwei Jahre später wurden mit dem Kyoto-Protokoll für CO²-Emissionen verbindliche Zielwerte vereinbart, jedoch traten die USA als größte CO²-Verursacher diesem Abkommen nie bei. 

Weitere Klimagipfel waren davon geprägt, dass sich Entwicklungs- und Schwellenländer den Zielen verweigerten oder sich nicht einig wurden. Besonders im Jahr 2009 in Kopenhagen konnten keine verbindlichen Ziele vereinbart werden. Mit der Klimakonferenz 2015 in Paris kam dann der Sinneswandel, denn inzwischen war klar, dass die Klimaziele nur erreicht werden können, wenn alle an einem Strang ziehen. Das kann aber nur funktionieren, wenn fossile Energien bis Mitte des Jahrhunderts abgeschafft werden. 

Eine „Heißzeit“ droht

Trotz dieser Klimaziele scheint es nicht ausgeschlossen zu sein, dass wir uns geradewegs auf eine „Heißzeit“ zubewegen. Verschiedene Klimaforscher warnen vor Rückkopplungsprozessen, die eine selbstverstärkende Klimaerwärmung auslösen könnten. Und das bereits bei Erreichen der maximalen 2 Grad Erderwärmung, wie bei der Klimakonferenz 2015 beschlossen. Daher sollte das Ziel von 1,5 Grad Celsius als Sicherheitsabstand eingehalten werden, empfehlen die Klimaforscher. Wenn sich die Treibhausgasemissionen weiter wie bisher erhöhen, droht ein Temperaturanstieg von vier bis fünf Grad bis Ende des 21. Jahrhunderts. 

In einigen Ländern wäre es dann für den Menschen kaum noch möglich, die hohen Temperaturen physisch zu verkraften. Um der Erderwärmung entgegenzuwirken, könnten wir neue Technologien einsetzen, mit denen es möglich ist, der Atmosphäre Kohlendioxid zu entziehen und unterirdisch zu speichern. Bis diese Technologien jedoch ausgereift sind, werden allerdings noch einige Jahrzehnte vergehen. Und hier kommen wiederum Nachteile für die Nahrungsmittelproduktion zutage, da landwirtschaftliche Flächen verloren gehen würden. 

Bedrohte Lebensmittel

Die Negativspirale in Bezug auf die Lebensmittelproduktion und Fair Food bei weiter steigender Erderwärmung lässt sich noch weiterdrehen. Einige Lebensmittel wird es dann möglicherweise gar nicht mehr geben. Wenn es nicht mehr regnet und die Schädlinge zunehmen, hat das katastrophale Folgen für die Landwirtschaft. In Italien macht sich schon seit Jahren die Olivenfruchtfliege breit, die die Olivenernte bedroht. Grund sind starke Regenfälle, die es vor vielen Jahren in der jetzigen Konzentration noch nicht gegeben hat. 

Auch die Kakaobohne in Westafrika macht zu starker, bzw. auch sehr wenig Regen zu schaffen. Denn größere Temperaturschwankungen gefährden die Ernte. Bei Kaffeebohnen sind die Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht geradezu ideal. Aber in den Anbaugebieten nehmen die Temperaturen stetig zu, und in der Nacht kühlt es nicht mehr ausreichend ab. Und Tomaten aus spanischen Gewächshäusern fehlt der wichtige Winterregen, der immer öfter ausbleibt.

Gesunde und nachhaltige Ernährung für alle

 So halten es auch Forscher des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung für dringend notwendig, unsere Essgewohnheiten zu ändern. Mehr noch: Das Thema Ernährung sollte auch in alle Klimaschutzmaßnahmen einbezogen werden. Denn allein eine Verringerung der CO²-Emission durch alternative Energiequellen reiche nicht aus. Und hier ist wieder die Politik gefragt, denn der Verbraucher allein kann die Weichen hierfür nicht stellen. Leitlinien und Kennzeichnungspflichten müssen her, damit eine gesunde und nachhaltige Ernährung für alle möglich wird. 

Autor: Leonie Kruger


Fotos: pixabay
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