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Berlinale: „Já, Olga Hepnarová“ – Die einsame Lkw-Fahrerin

Mediasteak | 12. Februar 2016

In Berlin läuft die Berlinale! Damit ihr wisst, was abseits von Mediatheken sehenswert ist, setzen wir uns 10 Tage lang ins Kino und beschreiben hier kurz unsere Filmauswahl.

Darum geht’s: 

Mit ihrem Film „Já, Olga Hepnarová“ erzählen die tschechischen Regisseure Petr Kazda und Tomas Weinreb eine wahre Geschichte. Am 30. Juni 1951 in Prag geboren, am 12. März 1975 in Prag gestorben – wandelt sich ihre Protagonistin Olga in den Jahren dazwischen von einem introvertierten Mädchen zu einer Psychopathin mit Kalkül. Am 10. Juli 1973 fährt die 22-Jährige mit einem Lkw in eine Menge von Passanten – acht Menschen sterben. So wird Olga in der Realität wie im Film zur letzten Frau, die in der Tschechoslowakei durch den Strang hingerichtet wird.

Darum geht’s wirklich:

Es geht um soziale Isolation. Und um ein Sich-verschließen-vor-der-Welt, bis man es nicht mehr in ihr aushält. Olgas einziger Ausweg: Selbstmord oder Rache. Sie entscheidet sich für letzteren und schreibt in einem Brief: „Es wäre zu einfach, diese Welt als unbekannte Selbstmörderin zu verlassen. Die Gesellschaft ist zu gleichgültig, zu Recht. Mein Urteil ist: Ich, Olga Hepnarová, das Opfer eurer Bestialität, verurteile sie zum Tode.“ Mit dem gegen sie verhängten Todesurteil will Olga den Außenseitern dieser Welt eine Stimme geben.

Darum müsst ihr den Film sehen:

Wegen der kühlen Schwarz-Weiß-Optik. Wegen einer Hauptdarstellerin, die exakt so aussieht wie Natalie Portman in „Léon – Der Profi“. Und wegen der Barszene, in der Olga ihre Vorliebe für Frauen entdeckt, eng umschlungen tanzt und sich dann zu einer Bekannten setzt, die Jacke öffnet und nichts drunter trägt.

FYI:

„Já, Olga Hepnarová“ lief als Eröffnungsfilm der Panorama-Sektion und konkurriert mit über 30 weiteren Filmen um den Teddy-Award.

Bildquelle: Black Balance/Berlinale

Kategorien: Kino

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