Berlinale: Fei cui zhi cheng – City of Jade

Mediasteak | 14. Februar 2016

In Berlin läuft die Berlinale! Damit ihr wisst, was abseits von Mediatheken sehenswert ist, setzen wir uns 10 Tage lang ins Kino und beschreiben hier kurz unsere Filmauswahl.

Darum geht’s:

Am Anfang ist die Leinwand gelb – dichter Staub liegt über der Jademine im Kachin-Staat in Norden Myanmars. Einsam sitzt ein Mann vor der Szenerie, auf einem Sandberg, und schaut in die Ferne. Der Mann ist Midi Zs Bruder und Midi Z ist der Regisseur dieses Films. Für die stille Doku „Fei cui zhi cheng“ hat er seinen ältesten Bruder bei der Arbeit in der titelgebenden Jadestadt begleitet. Aus dem Off erzählt Midi Z dabei immer wieder von der schwierigen Geschichte, die beide Brüder verbindet: Mit 16 Jahren verließ der Bruder die Familie. Gerüchte wurden laut, er sei in der „City of Jade“ zu einem wohlhabenden Mann geworden. Stattdessen begann er dort Drogen zu nehmen und landete im Gefängnis. Nach seiner Freilassung im Jahr 2011 zeiht es den Bruder erneut in die Jademinen – und diesmal kommt Midi Z, inzwischen Filmemacher in Taiwan, mit ihm.

Darum geht’s wirklich:

Um zwei ungleiche Brüder, die sich nach Jahren der Entfremdung wiederfinden und neu kennenlernen. Und das in einem schwierigen Umfeld, zu einer noch schwierigeren Zeit. Trotz des in Myanmar einsetzenden Demokratisierungsprozesses gibt es im Kachin-Staat noch immer Kämpfe zwischen ethnischen Minderheiten und dem Militär. Die Industrie hat die Minen verlassen und nun versuchen Privatpersonen, auf ein besseres Leben hoffend, ihr Glück bei Suche nach dem wertvollen Jadestein.

Darum müsst ihr den Film sehen:

Wegen der Szene, in der Midi Zs Bruder auf dem Berg steht und von den Sonnenuntergängen im gelben Dunst erzählt. Und davon, wie die Amerikaner ihren Goldrausch hatten, die Russen ihren Ölrausch und die Menschen in Myanmar nun ihren Jaderausch. Für seine Beschreibungen findet er poetische und extreme Worte, die jedoch von einem anderen Rausch zehren – Midi Zs Bruder ist schwer opiumsüchtig.

Hier könnt ihr einen Filmausschnitt sehen.

FYI:

Die Jadearbeiter setzen sich in den Minen oft großer Gefahr aus. Zuletzt wurden im Dezember 2015 bei einem Erdrutsch in einer Jademine im nördlichen Myanmar dutzende Menschen verschüttet.

Filmstill Quelle: © Seashore Image Productions/Berlinale

Kategorien: Kino