< In "Alki Alki" benutzt Regisseur Axel Ranisch die Personifizierung der Alkoholsucht als Trick, um eine nicht enden wollende Hass-Liebe zu beschreiben.

Alki Alki | Spiegel.TV

Mediasteak | 16. Dezember 2016

Tobias hat ein Problem – das heißt Flasche. Flasche ist ein pummeliger Mittvierziger mit Vollbart und existiert nur in Tobias’ Kopf. Er sagt ihm: “Trink!” oder “Gönn dir doch mal was!” oder “Komm schon, nur noch ein Bier.” Flasche ist Tobias’ imaginärer “Freund”. In seinem Film Alki Alki benutzt Regisseur Axel Ranisch die Personifizierung der Alkoholsucht als Trick, um eine nicht enden wollende Hass-Liebe zu beschreiben.

Denn Flasche ist immer da. Er nervt, wenn Tobias aufwacht, in sein Architektur-Büro fährt und seine Frau küsst. Aber: Er ist auch da, wenn Tobias einsam ist, etwas schief läuft und er nicht weiter weiß. Der Film zeigt die Sucht so als etwas mit dem Tobias für den Rest seines Lebens umgehen muss. Selbst als er einen Entzug macht und aufhört zu trinken – Flasche bleibt.

Improvisation und Do-It-Yourself-Ästhetik

Die beiden Hauptdarsteller und Freunde Peter Trabner (Flasche) und Heiko Pinkowski (Tobias) waren selbst jahrelang Alkohol-abhängig und spielen ihre Rollen sehr hintersinnig, vertraut und, trotz der teils fantastischen Tobias-Flasche-Szenen, immer glaubwürdig. In mal düsteren, mal absurden, mal lustigen Bildern. Oder in verwackelten. Denn Ranischs Film ist erneut ein Mumblecore geworden. Obwohl er diesmal Fördergelder bekam, hat der Film wieder diese beabsichtigte Do-It-Yourself-Ästhetik.

Wie schon in Ranischs “Dicke Mädchen” gab es kein finales Drehbuch. Mit seinen Darstellern probte Ranisch im Vorfeld nur Reaktionen und grobe Handlungsabläufe – vor der Kamera wurde alles andere, vor allem die Dialoge, improvisiert. Damit das funktioniert, waren Ranischs Schauspieler wirklich traurig, glücklich oder sauer. Diese Emotionen sollten sich langsam aufbauen, so Ranisch, und drehte die Szenen deshalb in chronologischer Reihenfolge. Und statt auf das perfekte Licht zu warten, ließ er, der sich lieber Spielleiter als Regisseur nennt, Dennis Pauls mit der Handkamera den Figuren hinterherlaufen.

Ein ungewöhnlicher Film ist das geworden. Auch weil: Käptn Peng (das Hip-Hop-Ich von Schaupspieler Robert Gwisdek) immer wieder mit Gitarre ins Set spaziert, sich setzt, und ein kurzes Lied singt, das in paar passenden Versen die Situation zusammenfasst. Dann verschwindet er wieder. Allein dafür lohnt sich Alki Alki schon.

Bild: © missingFILMs

Verfügbar bis: 19. Dezember 2016
Kategorien: Film & Serie