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#Uploading Holocaust – Wie geht erinnern heute? | rbb

Aimée | 26. Januar 2017

#Uploading Holocaust besteht ausschließlich aus YouTube-Clips von israelischen Schülern, die sie auf ihrer Reise nach Polen aufgenommen haben. Jährlich besuchen 25.000 Schüler das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau, um dort mehr über das Schicksal ihrer Vorfahren zu erfahren.

Erlebnisse in YouTube Videos festgehalten

Zu Beginn der Doku ist man vom Benehmen der Schüler noch leicht irritiert: Es wird viel gelacht, geschrien und gealbert. Man stellt sich die Frage: „Begreifen die Kinder überhaupt, was sie in den nächsten Tagen erleben werden?“

Dann kommt der Wendepunkt und wir erhalten Dank der selbstgefilmten Aufnahmen sehr persönliche Einblicke in die Reise der Schüler. Ein Junge äußert seine Scham über sein mangelndes Mitgefühl; anderen fällt es leichter, sich in das Geschehen des Holocausts hineinzuversetzen. Besonders bewegend ist die Szene, in der die Schüler einer deutsche Frau begegnen, deren Großvater ein Soldat in Auschwitz war. Sie klebt jedem Schüler ein goldenes Herz auf die Kleidung – genau dort, wo früher ihre Vorfahren den aus Stoff gefertigten Davidsstern tragen mussten. „Ich kann euch nicht um Vergebung bitten, was mein Volk euch angetan hat, aber an dem Ort, wo es kein Herz gab, möchte ich euch ein Zeichen der Liebe geben.“ Auch die Schüler sind sichtlich berührt von der Geste.

#Uploading Holocaust: Wie geht erinnern heute?

Die Kernfragen der Doku lautet: „Wie erinnern und gedenken wir heute?“ Die Doku zeigt einen Weg, wie erinnern aussehen könnte – im Zeitalter der Selfies und Hashtags. Der Film greift die Themen von Erinnerungskultur, Holocaust, Digitalisierung und Pubertät auf und beleuchtet, wie sie miteinander agieren. Es gelingt den Filmemachern Sagi Bornstein und Udi Nir einen neuen, sehr intimen Blick auf den Umgang der 4. Generation mit dem Holocaust zu werfen.

Bild: rbb/BR/Gebrüder Beetz Filmproduktion

Verfügbar bis: 24. Februar 2017