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Berlinale: Christian Petzolds „Transit“ im Wettbewerb

Sophia | 19. Februar 2018

In Berlin läuft die Berlinale! Damit ihr wisst, was abseits von Mediatheken sehenswert ist, setzen wir uns 10 Tage lang ins Kino und beschreiben hier kurz unsere Filmauswahl.

Christian Petzold’s Transit begibt sich als erster deutscher Film in den Wettbewerb der diesjährigen Berlinale. Dabei löst die Verfilmung des Flüchtlingsromans von Anna Seghers gemischte Gefühle aus.

Es mag nicht immer ratsam sein, der Beschreibung eines Filmes vorab zu viel Aufmerksamkeit zu widmen. Und gerade zur Berlinale gehören Überraschungen ja auch dazu! Wie groß die Überraschung bei diesem Film war, könnt ihr hier lesen:

Aber erstmal von vorn – worum geht es?

In Transit herrscht Krieg – Menschen fliehen nach Frankreich, um von dort auf Schiffe in die USA und nach Mexiko zu kommen. Die deutschen Faschisten verfolgen all jene, die nicht ihrer Ideologie entsprechen. Wie auch Georg (Franz Rogowski – Shootingstar der diesjährigen Berlinale), der die Identität des verstorbenen Schriftstellers Weidel annimmt.

So kommt er nach Marseille, wo für seine neue Identität die entsprechenden Papiere, eine Passage und die nötigen Transits bereitliegen. Doch ist da auch die Frau des toten Weidel – Marie (Paula Beer), die nichts von dessen Tod weiß und ihn in den Straßen der französischen Hafenstadt sucht. Sie trifft auf ihrer Suche Georg, der ihr sogleich verfallen zu sein scheint. Jedoch will Marie mit Richard (Godehard Giese) – einem Arzt – ein Schiff nach Mexiko besteigen. Zudem freundet sich Georg mit dem kleinen Driss und dessen taubstummer Mutter Melissa an, die ebenfalls flüchten müssen.

Bisher ist doch alles klar…?!

Zugegeben, die Handlung klingt plausibel – doch ihr Setting ist alles andere als das. Was dem Zuschauer zunächst präsentiert wird, sieht aus wie die Bühne zum Auftakt eines klassischen Zweiter-Weltkrieg-Dramas. Pässe, auf denen „Deutsches Reich“ steht, eine Schreibmaschine im Zimmer des verstorbenen Schriftstellers und Briefe in altdeutscher Schrift.

Doch auf einmal schleichen sich Merkwürdigkeiten ein: Moderne Autos auf der Straße und Statisten in T-Shirts und Flipflops. Auch ein Flachbildschirm im Wartezimmer eines Konsulats mag nicht recht in die Vorstellung der 1940er Jahre passen.

Transit zwischen Vergangenheit und Gegenwart

Petzold holt in seinem neuesten Film die NS-Zeit ins heutige Europa, womit er vermutlich auch Kritik an der aktuellen politischen Entwicklung in vielen Ländern aufmerksam machen möchte. In einer geschaffen Parallelwelt warten Geflüchtete auf ihr Schicksal, während „draußen“ das normale Leben seinen Lauf nimmt und keine der beiden Welten miteinander in Verbindung zu stehen scheint. So fern ist das alles nicht…

Während die Idee eine gute ist, hapert es leider etwas an der Umsetzung. Zu verwirrend und undeutlich wird hier zwischen Aktualität und Vergangenem umhergesprungen. Auch der Einsatz eines Erzählers ist nur mäßig gelungen – dieser taucht sporadisch, ohne Kontinuität auf und verkompliziert den Handlungsablauf unnötig. Da hilft es auch nicht, dass es sich dabei um die äußerst charismatische Stimme von Matthias Brandt handelt.

 

Sein Debüt gab Hauptdarsteller Franz Rogowksi übrigens in Love Steaks, den ihr hier über Mediasteak schauen könnt.

Den Roman Transit auf dem Petzold’s Film beruht, könnt ihr hier erhalten:

 

Bild:© Schramm Film / Marco Krüger

 

Kategorien: Behind The Scenes