< Sonita

Sonita – Rap gegen Zwangsehe

Ronas | 12. Januar 2018

Darüber, was Mut ist, kann man sich lange streiten. Dass Sonita mutig ist, steht aber außer Frage. QR-Code auf der Stirn, Misshandlungsspuren im Gesicht und Hochzeitskleid am Körper – die 18-jährige Afghanin rappt über das, was sich die wenigsten auszusprechen trauen. Sie kritisiert ihre Traditionen und die Scharia – vor allem in Bezug auf die Kinderehe. Und dass, obwohl es ihr eigentlich verboten ist, überhaupt in der Öffentlichkeit zu singen, geschweige denn über solche Themen. Ihr Song brides for sale ist tiefgründig, emotional und ein unheimlich wichtiger Protest:

Wenig Freuden

Getrennt von ihrer Mutter lebt Sonita – ihr Vater ist schon lange tot – bei ihrer großen Schwester im Iran und möchte Songs produzieren. Sonita ist aber eine Frau und rappt über ein heikle Themen – die Studios weigern sich also. Auch der langersehnte Besuch ihrer Mutter wird für die Afghanin zum Albtraum: Sie ist gekommen, um Sonita nach Afghanistan zurückzubringen, damit diese dort heiraten kann. Alle Bemühungen, dies zu verhindern, scheitern, weil ihre Familie das Brautgeld für die Heirat von Sonitas Bruder benötigt. Schließlich greift das Filmteam selbst ein und zahlt den Eltern des Mädchens 2000€, damit sie sechs Monate länger im Iran bleiben darf.

Sonita – am Leben teilhaben

Viele Dokumentationen erzählen tolle Geschichten. In diesem Fall wird die Geschichte jedoch nicht erzählt, sondern erlebt. Das Filmteam begleitete das Mädchen in der Entstehungszeit ihres Songs und erfuhr dabei von mehr Tiefen als Höhen. Die Filmemacher selbst werden im Verlauf der Dreharbeiten zu aktiven Akteuren – selten ist eine Dokumentation so nah an den Geschehnissen. Gerade deshalb und aufgrund der unglaublichen Charakterstärke Sonitas ist die Doku ungemein spannend und ergreifend. Absolut sehenswert!

Hintergründe und andere Empfehlungen

Für alle, die sich fragen, was aus Sonita geworden ist: Die Afghanin lebt und studiert heute in den USA und setzt sich dort auch weiterhin politisch ein. Sehenswert ist unter anderem dieser Talkshow-Auftritt, in dem sie über die Kinderehe redet:

Auch auf Mediasteak findet sich ein Film, der sich mit einem starken Mädchen in der sonst so männerdominierten arabischen Welt beschäftigt: Das Mädchen Wadjda.

Rap und Politik sind übrigens schon lange eng miteinander verknüpft. Das zeigt auch diese Doku, die sich mit der verstorbenen Rap-Legende Tupac Shakur beschäftigt:

Bild: © Behrouz Badrouj

 

Verfügbar bis: 15. Januar 2018
Kategorien: Gesellschaft, Politik