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Ein Abend mit Romy

ARTE Magazin | 15. September 2018

Alice Schwarzer über ihre Begegnung mit Romy Schneider

Sonntag, 12. Dezember 1976. Draußen ist es dunkel und regnerisch. Ich sitze mit ­Romy ­Schneider in dem kleinen, kajütenartigen Penthouse auf der Dachterrasse im fünften Stock, über der Redaktion der Emma. Wir reden seit Einbruch der Dunkelheit. Längst ist die Beleuchtung des fünf Fuß­minuten entfernten Kölner Doms erloschen. Die Scheinwerfer strahlen bis Mitternacht. ­Romy redet und redet. Es ist unsere zweite Begegnung.
In dieser Nacht erwartet ­Romy, von mir gerettet und gerächt zu werden. Sie sagt: „Ich will, dass dein Artikel über mich alle schockiert!“ Und: „Ich vertraue dir.“ Und: „Du darfst mich nicht verraten!“

Romys traumatischen Erlebnisse mit Männern

Romy wünscht sich, dass ich es in die Welt hinaus rufe: ­Romy, das kleine Mädchen, das mit fünf Jahren von einem Nachbarn ins Gebüsch gezerrt wurde. Aber nie darüber reden wird, um „meiner Mutter nicht wehzutun“. ­Romy, das junge Mädchen, dem der Stiefvater so hart nachstellt, dass sie sich in der Toilette einschließen muss. …

Im Interview öffnet sich Romy Schneider Alice Schwarzer

­Romy und ich sitzen an diesem Abend auf der braunen Samtdecke, die ich noch aus Paris mitgebracht und über mein Bett gebreitet habe, der einzigen Sitzgelegenheit in diesem Raum, in dem ich in den Monaten vor dem Start von Emma wohne. Wir sind beide ähnlich verzweifelt und aufgebracht zugleich, wenn auch aus ganz unterschiedlichen Gründen.

Romy hat mich mein Leben lang begleitet. Sie war im Deutschland der 1950er bis 1970er Jahre die Verkörperung aller deutschen Frauen­klischees: von der Jungfrau ­Sissi über das Luder in Paris bis hin zur reuigen Mutter in Berlin. Das hatte allen voran sie selbst klarsichtig erkannt und immer wieder versucht, sich daraus zu befreien. Ihre auch mit sich selbst so schonungslosen Interviews und ihre hinreißend sarkastischen Briefe legen lebendig Zeugnis davon ab.

Den vollständigen Artikel von Alice Schwarzer könnt ihr im ARTE Magazins lesen

Bild: © Gabriele Jakobi/Bons Clients, im Interview öffnet sich Romy Schneider Alice Schwarzer
Autorin: Alice Schwarzer

Verfügbar bis: 22. September 2018
Kategorien: Kultur