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Kreuzweg – Drama über religiösen Fanatismus

Stephanie | 13. Juni 2017

Orientiert an den 14 Stationen vom Kreuzweg Jesu Christi wird die Geschichte der 14-jährigen Maria erzählt. Das fromme Mädchen gehört, wie der Rest ihrer Familie, einer strengen katholischen Gemeinde in Süddeutschland an. Diese lehnt jegliche moderne Gemeinden, ja selbst die „Neuerungen“ des Vatikans ab. Maria steht kurz vor ihrer Firmung. Ihr größter Wunsch ist es, dass ihr 4-jähriger Bruder Johannes zu sprechen beginnt, da er bislang noch kein Wort gesagt hat. Die Liebe zu ihrer Familie, ihrem Bruder und zu Gott ist so groß, dass sie bereit ist, heilig zu werden und ihr Leben zu geben. Denn Maria hofft, dass ihr Bruder dadurch geheilt wird…

Doch überall lauern Sündenquellen, die Maria das Leben schwer machen. Da ist zum Beispiel der nette Junge aus der Parallelklasse, der Maria zum Chor einlädt. Oder die Musik im Sportunterricht, die mit ihren „satanischen“ Rhythmen zur Unkeuschheit verleitet. Aber Marias strenge, cholerische Mutter und der Beichtvater der Gemeinde weisen sie immer wieder auf den „rechten Weg“. Doch ihre härteste Richterin ist eigentlich Maria selbst.

Kreuzweg gibt Einblick in religiöse Radikalisierung

Die Geschwister Dietrich und Anna Brüggemann trauen sich mit Kreuzweg an das schwierige Thema des religiösen Fanatismus. Sie haben einen ergreifenden Film geschaffen, der uns in 14 Einstellungen die Welt und Denkweise Marias verständlich macht, welche von außen her leicht als „verrückt“ abgetan werden würde.  Dazu verhelfen die dichten, treffsicheren Dialoge. Wir sehen den seelischen Missbrauch der Eltern, der Maria in die Radikalisierung drängt. Dies ist nicht zuletzt der eindrucksvollen schauspielerischen Leistung Lea van Ackens zu verdanken, der eine glaubwürdige Verkörperung des willensstarken Mädchens gelungen ist.

Bild: SWR/Ufa/Alexander Sass

Verfügbar bis: 19. Juni 2017
Kategorien: Film & Serie