< Noch heute bleibt der 80-Jährige minutenlang unter Wasser, er jagt noch immer. In "Jago – Der alte Mann und die Tiefsee" erzählt er seine Lebensgeschichte.

Jago – Der alte Mann und die Tiefsee

Paul | 02. Oktober 2017

„Sie nannten mich Jago, der Meisterjäger. Ich bin ein Bajau. Ein Mann des Meeres.“ – Rohani in Jago – Der alte Mann und die Tiefsee

Noch immer jagt der 80-jährige Rohani, nahe der paradiesischen Togian-Inseln, wie es Jahrhunderte lang Tradition war: Beinahe nackt und ohne Sauerstoffflasche, nur mit einem Speer bewaffnet. Sein Volk, die Bajau, sind Seenomaden. Sie verbringen ihr gesamtes Leben auf dem Meer; errichten in flacheren Gebieten Bambushütten oder schippern durchgehend auf kleinen Holzbooten. In Jago – Der alte Mann und die Tiefsee erzählt Rohani seine bewegenden Lebensgeschichte. Eindrucksvoll beschreibt er, wie seine große Ehrfurcht vor der Natur ihn zu einem legendären Jäger machte.

Tiefer, immer tiefer ins Meer hinab

Schon als Kleindkind schipperte Rohani mit einem kleinen Boot, das sein Vater ihm geschnitzt hatte, über die Korallenriffe hinweg. Doch schon bald musste er hinunter, hinein ins Getümmel. Es ließ ihn nicht mehr los. Bereits im zarten Alter von 5 Jahren ging er das erste Mal tauchen. Sein Ziel war es, länger und tiefer und immer tiefer unter Wasser zu bleiben. Er hatte großes Talent und war bereit, seine Grenzen immer weiter auszuloten. Trotz großer Schmerzen schaffte er es schließlich bis hinab auf den Meeresgrund, 36 Meter tief. Jetzt konnten auch die großen Fische ihm nicht mehr entwischen.

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Sie nannten ihn Jago, den Meisterjäger

Sein Unterwasserspeer, der mit einer recht simplen, aber ungleich effektiven mechanischen Abschusstechnik ausgestattet war, sollte immer sein bevorzugtes Jagdgerät bleiben. Schnell wurde Rohani für seine Fertigkeiten berühmt, er wurde ein Lokalheld: Sie nannten ihn Jago, den Meisterjäger. Es hätte immer so weiter gehen können, doch er, so sagt er rückblickend, verärgerte die Meeresgeister mit seinem respektlosen Verhalten. Denn Rohani half japanischen Fischern mit Schleppnetzen das Meer zu leeren. Dafür verlangten die Meeresgeister, wie er sagt, ein Opfer. Dieses Opfer ließ ihn büßen, so sehr, dass es ihn an den Rand des Wahnsinns trieb.

Eine Jahrhunderte alte Kultur vor dem Aussterben

Darum will Rohani seinem Volk einen letzten Dienst erweisen und stimmte, obwohl er zum ersten Mal ins Objektiv einer Kamera blickte, der Verfilmung seines Lebens zu. So kann er dem Aussterben seines Volkes vielleicht entgegenwirken, denn immer weniger junge Bajau entschließen sich heute für das bescheidene Leben als Seenomade. Außerdem offenbart Rohani eine andere Stärke: das Geschichtenerzählen.

Neuste Aufnahmetechnik zum Erhalt alter Kultur

Für die Doku hat die Crew um Regisseur James Reed glücklicherweise einige Bajau versammeln können: Viele Freunde und Familienangehörige haben geholfen, die wichtigsten Kapitel Rohanis Leben nachzustellen. Und das an den Originalschauplätzen bei den indonesischen Togian-Inseln. Dem gegenüber steht neueste Aufnahmetechnik, die beeindruckende Bilder liefert. So ist mit Jago – Der alte Mann und die Tiefsee ein authentisches Dokument Rohanis außergewöhnlichen Lebens entstanden, das die Kultur der Bajau zumindest vorerst erhält.

Dir gefällt die Geschichte von Rohani? Dann schau‘ mal in die Doku Song from the Forest rein! Sie handelt von einem Amerikaner, der in den Urwald zog.

Bild: Under Dog Films

Verfügbar bis: 15. Oktober 2017
Kategorien: Kultur, Natur