90 min

Inside Nordkorea | ARD

Laura | 20. März 2017

Der Dokumentarfilm Inside Nordkorea gewährt einen ungewöhnlichen Blick hinter den Eisernen Vorhang der Demokratischen Volksrepublik Korea. Wer jetzt aber Schlamm-bespritzte Hühner, leere Supermarktregale oder unterdrückte Bauern erwartet, wird enttäuscht sein. Denn das Drehbuch stammt komplett aus der Feder nordkoreanischer Behörden.

Es ist ein Film über das Leben der achtjährigen Sin Mi. Das Mädchen lebt mit ihren Eltern in einer großen Wohnung in Pjöngjang. Beste Lage. Der Frühstückstisch stets reich gedeckt. Der Familie fehlt es an nichts. Ihre Gespräche drehen sich ausschließlich um den geliebten Marschall, um die Freiheiten, die sie in ihrer Heimat genießen und überhaupt ist der Sozialismus ein Segen. „Nicht zu steif!“, lautet plötzlich die „Regie-Anweisung“. Man solle sich natürlich verhalten.

Inside Nordkorea – Regisseur widersetzt sich Propaganda-Drehbuch

Filmemacher Vitalij Manskij hat einen Coup gelandet: Er hat die Inszenierung der Inszenierung während der gesamten Propaganda-Dreharbeiten heimlich aufgenommen. So werden wir Zeuge der Proben mit Vorzeigekameraden, sehen wie Komparsen angeleitet werden und die Protagonisten ihre Texte in der Musterwohnung lernen.

Letztendlich gehört dem Sprecher das letzte Wort. Die auffallend ästhetischen Bilder des Films werden mit Hintergrundinformationen kommentiert, die uns durch die Propagandaaufnahmen eigentlich vorenthalten werden sollten. Am Ende von Inside Nordkorea schafft es das Filmteam dann aber doch, Sin Mi unbeobachtet eine Frage zu ihren Erwartungen ans Leben zu stellen. Ihre Antwort: Tränen.

Bild: MDR/Saxonia Entertainment GmbH

Verfügbar bis: 26. März 2017
Kategorien: Politik