97 min

Heil – bissige Satire mit Benno Führmann

Anne | 02. Dezember 2018

Die ostdeutsche Kleinstadt Prittwitz ist fest in der Hand von Neonazis. Anführer Sven (Benno Fürmann) hat noch etwas Grips in der Rübe, während seine Kameraden zu blöd für einen geraden Satz sind. Trotzdem hinterlassen sie überall im Ort ihre legasthenischen Nazi-Schmierereien. Wer etwas dagegen sagt, bekommt eins aufs Maul. Das muss auch Dorfpolizist Sascha erfahren, der sich als einziger immer wieder der Nazi-Truppe entgegenstellt. Jedoch ohne Unterstützung von Politik und Justiz in der Region. Der Bürgermeister will kein Aufsehen und der Richter im Landkreis ist auf dem rechten Auge mal so richtig blind.

Schwarzer mit Hakenkreuz auf der Stirn

Ausgerechnet in diesem Sumpf verirrt sich der afrodeutsche Autor Sebastian während seiner Lesetour. Doch leider kommt er nicht weit, denn schon am Bahnhof empfangen ihn die Nazis mit einem Schlag auf den Kopf. Daraufhin kidnappen sie Sebastian und brennen ihm ein Hakenkreuz auf die Stirn. Als er in ihrem Bunker wieder aufwacht, hat er das Gedächtnis verloren und plappert munter die Nazi-Parolen seiner neuen Freunde nach. Sven erkennt sofort das Potenzial dieser einmaligen Gelegenheit und flüstert dem Autoren von nun die Sätze ein. Von nun an tingelt die ungleiche Truppe aus zwei derangierten Schläger-Nazis, einem Anführer und dem unter Amnesie leidenden Sebastian quer durchs Land . Denn Sebastian ist in Talkshows ein gern gesehener Gast – wettert er als Farbiger doch gegen Ausländer – so mögen es die Deutsche gern!

Heil Film mit Cameo vom Regisseur

In einer der Talkshows tritt Regisseur Dietrich Brüggemann (Kreuzweg) gleich selbst auf und hinterfragt seinen eigenen Film. Auf die Frage der Moderatorin: „Darf man über Neonazis Witze machen?“ antwortet er: „Man darf. Aber das Lachen muss einem im Hals stecken bleiben.“ – Man könnte sagen, das ist dem Regisseur gelungen! Oder, nicht ganz: Denn an einigen Stellen muss man ziemlich laut loslachen. Brüggemanns bissige Satire zeichnet ein feines Bild unserer Gesellschaft. Dabei gelingt es dem Regisseur, genau zu beobachten und diese Beobachtung satirisch überspitzt darzustellen.

Jeder bekommt sein Fett weg

Ob das brandenburgische Innenministerium, linke Gruppierungen, Chefredakteure, der Verfassungsschutz oder dieser Talkshow-Wahnsinn mit seinen stereotypen Gästen – im Film Heil bekommen alle ihr Fett weg. Manchmal etwas derbe, aber immer ziemlich wahr.

 

Noch mehr Nazi-Satire auf Mediasteak gibt es von Jan Böhmermann alias dem sieggeilen „Adi“.

Bild: rbb/X Verleih, Heil Film

Verfügbar bis: 07. Dezember 2018

Tags: