Das Geschäft mit der Krankheit
Reportage 29 min

Das Geschäft mit den Krankheiten | ZDF

Stephanie | 20. Dezember 2016

Dass bestimmte Berufe von Krankheiten leben, liegt auf der Hand. Schaurig wird es jedoch, wenn die Motivation hinter dieser Arbeit nicht das Wohl des Menschen, sondern die unbegrenzte Steigerung des materiellen Gewinns ist. Das ZDF untersucht in dieser Reportage, wie in Deutschland mit Erkrankungen Geld gemacht wird.

Wie die Pharmaindustrie Krankheiten erfindet

Den medizinischen Lexika werden jedes Jahr neue Krankheiten hinzugefügt. Diese bieten natürlich Anlass zu neuen Medikamenten. Als Beispiel betrachtet die ZDF-Reporterin die vermeintlichen Krankheiten der weiblichen und männlichen Unlust, für welche kurzerhand Medikamente erfunden wurden. Sie spricht mit Betroffenen und zeigt, welche gesellschaftlichen Mechanismen dem schnellen Griff zur Pille zugrunde liegen.

„Unabhängige“ Gremien? Wohl kaum

Außerdem deckt sie auf, dass die Mitglieder von offiziell „unabhängigen“ Gremien erschreckend oft mit der Pharmaindustrie zusammenhängen. So beispielsweise die Europäische Fachgesellschaft der Kardiologen, welche die Richtwerte für Cholesterin festlegt: Laut der Reportage arbeiten 17 von 18 Mitgliedern, die für die Richtwerte verantwortlich sind, für Hersteller von Cholesterinprodukten. Betrachtet man vor diesem Hintergrund die Senkung der Richtwerte eines gesunden Cholesterinwertes seit den 70er Jahren, ist das Ziel der Profiterhöhung naheliegend. Ebenso verhält es sich bei Ausrichtern von Fortbildungen, auf welchen Ärzte über „neueste Erkenntnisse“ der Forschung unterrichtet werden. Medikamentenempfehlung inklusive.

Mangelnde Transparenz führt zu Ratlosigkeit

Die Reportage verdeutlicht die Komplexität der Frage nach Berechtigung der Medikamentenvervielfältigung. Kranke, Pharmavertreter und -kritiker stehen sich argumentativ gegenüber. Da es jedoch keinen direkten Dialog der Parteien und demzufolge nur geringe Transparenz gibt, stehen Betroffene oft vor Ratlosigkeit und legen ihre Gesundheit in die Hände von Experten, deren professionelle Herkunft verschleiert ist. Fazit, so banal es auch klingen mag: Ein gesunder und bewusster Lebensstil ist immer noch die beste Prävention vor Krankheiten.

Foto: Screenshot

Verfügbar bis: 03. August 2017
Kategorien: Gesellschaft, Wirtschaft