In der oscarprämierten Doku Bowling for Columbine liefert Michael Moore ein unerbittliches Porträt Amerikas. Ein kurzweiliges Meisterwerk!
Doku | Watchbox 114 min

Bowling for Columbine – Michael Moore in Höchstform

Paul | 15. September 2017

„Warum hat keiner das Bowling für ihren verdrehten Verstand verantwortlich gemacht?“ – Michael Moore in Bowling for Columbine

Am 20. April 1999 betreten zwei Schüler die Columbine High School, um zu töten. Es sollte nicht nur Mord, sondern ein Massaker werden: Dazu hatten sie sich eine abgesägte Pumpgun, eine doppelläufige abgesägte Schrotflinte und zwei halb automatische Schusswaffen besorgt. Dann töteten die beiden 17- und 18-Jährigen einen Lehrer und zwölf Schüler, von denen keiner älter als 18 war. Viele weitere verletzten sie schwer. Zuletzt zielten sie auf ihre eigenen Köpfe.

Wer ist Schuld? Marilyn Manson!

Nach dieser Tat schien die ganze Welt kurz stillzustehen. Dabei schien es nur so. Längst waren die Fernsehsender vor Ort und berichteten über die neuesten Entwicklungen dieses schrecklichen Attentats. Doch das Zeigen dieser Entwicklungen reichte nicht. Sie mussten auch erklärt werden. Das gehört zum Selbstverständnis US-amerikanischer Fernsehnachrichten.

Die Spurensuche konnte also beginnen: Was war an diesen Jungen anders? Beide kamen aus gutem Hause. Sie waren begabt, nicht einmal unbeliebt. Alles unauffällig. Doch: Halt! Da ist was: Sie hörten beiden die Musik von Marilyn Manson! Das ist doch eine für den Zuschauer leicht nachvollziehbare Abnormalität! Satanische Rockmusik!

Bowling for Columbine – zurecht oscarprämiert

Na gut, sagt Michael Moore, wenn wir schon dabei sind irrsinnige Kausalitätsketten zu bilden, warum dann nicht einfach Bowling verantwortlich machen? Der Name für seinen Dokumentarfilm war geboren: Bowling for Columbine. 

In Wahrheit macht Moore natürlich das Gegenteil: Er begibt sich nun selbst auf die Suche nach Antworten und schildert zunächst den wahnsinnigen Umgang mit Waffen in den USA. Dabei gelingt ihm eine spannende dokumentarische Odyssee, die auch dramaturgisch meisterhaft umgesetzt ist.

Sie führt ihm zu einer seiner besten Beobachtungen: Er zeigt, wie das Land die Angst der Bürger kommerzialisiert hat. Und wie aus dem Kommerz eine Kultur der Angst wurde. Für die Diagnose über den Zustand der Nation und für seine revolutionäre Art des Dokumentarfilmens hat er zurecht den Oscar erhalten.

Moores Stimme ist eine Stimme mit Gewicht

Oft wird Michael Moore vorgeworfen, mehr politischer Aktivist als neutraler Beobachter zu sein. Dabei ist seine Stimme doch eine der Wenigen, die sagt: Es läuft etwas schief in unserem Land! Auch wenn das anfangs niemand hören wollte. Vielleicht verleiht diese Tatsache seiner Stimme damit umso mehr Gewicht.

 

Ein gutes Bild über den Zustand Amerikas liefert auch ein Blick auf den Präsidenten. Auf Mediasteak findet ihr die Doku über Trump und seine Beziehungen in die russische Mafia. Oder streamt die Doku Michael Moore in TrumpLand. 


Bild: Prokino (Fox)